Published February 12, 2011 on Neue Zürcher Zeitung

Vermarktung von « Buyouts»

Der Börsengang von Kinder Morgan sorgt für Zuversicht

by feb. 

Der Börsengang des amerikanischen Pipeline-Herstellers Kinder Morgan am Freitag in New York gilt als gute Nachricht für die Private-Equity-Branche. Das Unternehmen, das sich unter anderem in der Hand der Finanzinvestoren von Carlyle sowie von Goldman Sachs befand, nahm in seinem Initial Public Offering (IPO) 2,9 Mrd. $ und damit 23% mehr Mittel als geplant auf. Beim Début am Freitag stiegen die Aktien um knapp 6% auf $ 31.75. Laut dem Datenanbieter Bloomberg war dies der grösste Börsengang eines Unternehmens aus Private-Equity-Hand in den USA. Ende Januar hatte bereits ein anderer bedeutender Konzern aus dem Portefeuille von Finanzinvestoren einen erfolgreichen Börsengang absolviert. Der Konsumforschungskonzern Nielsen Holdings nahm 1,89 Mrd. $ ein.

Wenig Abschreibungen
Kinder Morgan und Nielsen sind zwei der Firmen, die in den Boomjahren 2005 bis 2007 von Private-Equity-Gesellschaften gekauft worden waren – mit übertriebenen Wachstumsaussichten, hohen Bewertungen und einem grossen Anteil an Krediten («leverage»). Finanzinvestoren hatten damals Grosskonzerne wie den Energiekonzern TXU, den Kreditkarten-Abwickler First Data, den Hotelkonzern Hilton oder in Europa die Drogeriekette Alliance Boots in stark kreditfinanzierten Übernahmen («leveraged buyouts», LBO) gekauft. Deren zweistellige Milliarden- Volumina sprengten damals Rekorde. In der Finanzkrise folgten dann sehr zähe Jahre für die Beteiligungsgesellschaften, und ihre «Mega-Übernahmen » aus den Boomjahren liessen grosse Abschreibungen befürchten.

Laut Schweizer Gesellschaften, die im Bereich Private Equity aktiv sind, stehen die «Buyouts» aus den Boomjahren heute aber besser da, als viele vermuten. In den meisten Fällen handle es sich um qualitativ hochstehende Firmen mit starken Marktpositionen, heisst es etwa beim Zuger Vermögensverwalter Partners Group. Zurzeit seien in diesem Bereich einige weitere Firmen in IPO-Vorbereitungen. Ungefähr 90% dieser Unternehmen blieben aber in der Regel privat. Im letzten Boom seien sehr «grenzwertige» Transaktionen abgeschlossen worden, sagt auch Stefan Hepp, CEO der Beratungsgesellschaft SCM. Von den 100 grössten Private-Equity-Transaktionen der Jahre 2005 bis 2007 dürften seiner Ansicht nach etwa 4% bis 5% der betroffenen Fälle in Konkurs gehen. Dies liege aber weniger an der durch den LBO erhöhten Verschuldung als vielmehr an den Umsatz- und Gewinneinbrüchen. Die befürchteten grossen Abschreibungen hätten bis jetzt nicht stattgefunden. Rund zwei Drittel der Transaktionen seien bereits in der Zone der Wertzunahmen. In Europa habe die Euro-Schuldenkrise die Unsicherheit der Investoren verstärkt und damit eine Erholung der IPO-Märkte gebremst. Trotzdem stünden auch in Europa die Zeichen für eine gesteigerte Investitionstätigkeit und für zunehmende Realisationen im laufenden Jahr gut. Es seien zwar weniger Kredite verfügbar, aber für einzelne Transaktionen seien Fremdkapitalpakete von mehreren Mrd. $ möglich.

Spreu und Weizen
Laut Rainer Ender vom Dachfonds-Anbieter Adveq gibt es in diesem Bereich unter den Unternehmen eine Trennung zwischen «Spreu» und «Weizen», und der Weizen komme an die Börse. Einige der Unternehmen versuchten, über einen Börsengang ihre Eigenkapitalbasis zu verbessern. Als Beispiele für gelungene Transaktionen, die nun an der Börse sind, nennt er in Europa die Firmen NXP Semiconductors oder die dänische Telekomgesellschaft TDC. Bis jetzt habe es nur wenige Konkurse gegeben, da der Markt für Hochzinsobligationen sich wieder sehr freundlich gezeigt habe. So hätten die Unternehmen Fristen verlängern können. Die niedrigen Zinsen der Zentralbanken hätten zudem starke Unterstützung geboten. Laut einer Branchenvertreterin gilt es, bei der Qualität der einzelnen Transaktionen zu differenzieren; grosse «Buyout»-Transaktionen der Boomjahre kollektiv zu verurteilen, dürfte sich als Fehler herausstellen.

Mit freundlicher Genehmigung der Neuen Zürcher Zeitung
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