Published: January 8, 2011 on Finanz und Wirtschaft

Beteiligungsgeschäft läuft wie geschmiert

Weitere Investments in Private Equity geplant - Wertschöpfung übersteigt Performance der Aktienbörse - Günstiges Fremdkapital fördert den Hebeleffekt
by Thomas Hengartner

Die Mehrheit der regelmässig befragten Grossanleger plane für dieses Jahr zusätzliche Investments in Private Equity, meldet das Branchennetzwerk Preqin in einer neuen Verlautbarung. Die Ansprüche an das Beteiligungsmetier seien jedoch so hochtrabend wie lange nicht mehr: 63% der Antwortenden erhofften sich mit Privatmarkttransaktionen auf Dauer mindestens 4% Überrendite gegenüber der Performance des öffentlichen Aktienmarkts. Weitere 23% der befragten Institutionellen wollten zumindest 2 bis 4% Mehrrendite sehen. Für das zurückliegende Jahr lassen sich gute Leistungen der Private-Equity-Branche durchaus belegen. Die kotierten Beteiligungsgesellschaften des Sektors haben den Wert des Anlageportefeuilles bis zum Zeitpunkt der letzten Wertmessung per Ende November zumeist klar zu steigern vermocht – und das trotz der erheblichen Belastung mehrerer Schichten fester und erfolgsabhängiger Gebühren.

Trotz Avance im Discount
Die in Dollar bilanzierenden Gesellschaften Absolute und Castle Private Equity erreichten im elfmonatigen Zeitraum eine Wertsteigerung um mehr als 12%. Währungsbereinigt bleibt eine Verbesserung von 8 bis 9%. Der Schweizer Aktienmarkt, gemessen am SPI Swiss Performance Index, stieg in dieser Zeit lediglich 0,5%.

Noch viel auffälliger ist die Aktienperformance. Das wiederbelebte Interesse der Anleger hievte Absolute und Castle rund 60%. Dennoch sind sie erst zu etwa zwei Dritteln des Schätzwerts bewertet, wie aus der Diskonttabelle auf der zweitletzten Seite jeder FuW zu ersehen ist.
Mit Private Equity Holding ist allerdings auch ein ungünstigeres Beispiel zu verzeichnen. Die Gesellschaft hat das Portefeuille in der Bilanzwährung Euro zwar bis November nach Kosten rund 5% zu verbessern vermocht. Die ausgeprägte Euroschwäche führte in frankenbasierter Rechnungsweise indes zu einer Wertminderung um 7%.

Die Mehrperformance diversifizierter Privatmarktanlagen lasse sich auch über den längeren Zeitraum belegen, sagt Rainer Ender vom Zürcher Fondsanbieter Adveq. In einer Gegenüberstellung zum deutschen Aktienindex Dax habe Private Equity in zwölf der fünfzehn Jahre seit 1995 besser rentiert. Spitzenwerte wurden zuletzt zwischen 2004 und 2007 erreicht, vor allem durch Fonds, die in den Krisenjahren 2000 bis 2002 aufgelegt wurden. Das Privatmarktgeschäft biete den Vorteil, sich über den ganzen Lebenszyklus von Unternehmen zu engagieren. «Für neu gegründete wie auch für in Schieflage geratene Firmen ist Private Equity oftmals gar die einzige Finanzierungsquelle», erwähnt Ender. Werttreiber seien die strategische Ausrichtung und die Beeinflussung der Portfoliounternehmen, ergänzt um die Optimierung der Kapital- und Finanzierungsstruktur.

Mehrere attraktive Felder
Die Befürchtung, der für die Finanzierung von Grossübernahmen früherer Jahre aufgetürmte Schuldenberg könnte Private Equity erdrücken, verflüchtigt sich dank der Normalisierung an den Finanzmärkten. Die Weltwachstumsprognosen lassen eine steigende unternehmerische Aktivität erwarten, und die Tiefzinsen komprimieren die Finanzierungskosten. Das zeigt auch Wirkung am Unternehmensanleihenmarkt, wo selbst Schuldner geringer Bonität zu attraktiven Bedingungen Geld aufnehmen (High Yield Bonds).

Beste Investmentchancen bieten sich gemäss Ender derzeit in den Privatmarktsegmenten Restrukturierungen (Distressed/Turnaround), Buyouts kleinerer Unternehmen sowie Expansionsfinanzierung asiatischer Gesellschaften: «In diesen fundamental attraktiven Bereichen ist noch kein renditeschmälernder Kapitalüberhang festzustellen.»