Published November 9, 2011 on Neue Zürcher Zeitung

BETEILIGUNGSGESELLSCHAFTEN

Mehr Spezialisierung im Bereich Private-Equity

by feb. 

"In den USA ist das Interesse an der Private-Equity-Branche jüngst wieder etwas gestiegen. Dies liegt aber weniger an spektakulären Unternehmensübernahmen als am republikanischen Politiker Mitt Romney – der mögliche Herausforderer von Barack Obama bei den US-Präsidentschaftswahlen 2012 ist Gründungspartner der Beteiligungsgesellschaft Bain Capital. Sonst ist es in letzter Zeit sehr ruhig geworden um den Sektor, dessen Gesellschaften noch bis 2007 im letzten Übernahme-Boom als bedrohliche «Heuschrecken» im Gerede waren. Als dann die Finanzkrise ausbrach, geriet ihr Geschäftsmodell der kreditfinanzierten Unternehmensübernahmen in Gefahr, da die Banken kaum mehr Kredite zur Verfügung stellten. Hinzu kam, dass der stark mit den Aktienbörsen korrelierte Markt für Fusionen und Übernahmen seitdem nicht mehr richtig angesprungen ist. Die angesichts der «Buyout»-Flaute schon totgesagte Private-Equity-Branche ist aber durchaus am Leben, wie am Dienstag vorgestellte Statistiken der Dachfonds-Gesellschaft Adveq zeigen.

So wird für die aufgenommenen Fonds für 2011 ein Volumen von 150 Mrd. $ erwartet, was weit unter den Höchstwerten des letzten Booms liegt – aber auch deutlich mehr ist als Mitte der neunziger Jahre, als sich der Sektor noch etablierte. Hinzu kommt, dass sich die Branche in den vergangenen Jahren – notgedrungen, da das Fremdkapital fehlte – breiter ausdifferenziert hat. Einige der Spezialsegmente von Private Equity arbeiten dabei mit einem geringen oder gar keinem Einsatz von Schulden, beispielsweise in den Bereichen Wagnis- oder Wachstumskapital. Für die Zukunft setzt die Beteiligungsbranche grosse Hoffnungen auf die Schwellenländer. Ein Risiko stellt indessen der KapitalÜberhang bei den grossen europäischen Buyout-Fonds dar. Diese haben derzeit mehr als 50 Mrd. € an nichtinvestiertem Geld, bei steigender Tendenz. Angesichts der geringen Aktivität führt dies nicht selten zu sehr hohen Preisen bei Transaktionen. Dies könnte sich in der Zukunft rächen.

Mit freundlicher Genehmigung der Neuen Zürcher Zeitung
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