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Published: March 8, 2008, Mittellandzeitung

"In den letzten Jahren gab es Exzesse"

Private Equity Branchen-Experte Bruno Raschle sieht hohe Risiken aber vor allem bei Hedge Funds

Die Kreditkrise hat auch die Privatfinanciers durchgeschüttelt. Viele Buy-out-Kredite haben massiv an Wert verloren. Ein Experte erzählt.

by Nadja Siebenmann

Herr Raschle, wie ist die Lage im Private-Equity-Markt?
Bruno Raschle: Es ist ruhig. Mit Ausnahme einiger grosser US-Buy-out-Deals halten die Bewertungen. Man setzt wieder auf Qualität. Die Liquidität ist immer noch relativ hoch.

Wer investiert?
Raschle: Pensionskassen, Versicherungen und andere Asset Manager.

KKR musste eine Refinanzierung aufschieben. Was ist da los?
Raschle: Früher war man gewohnt, sofort Geld zu erhalten. Heute wollen die Anleger wissen, wo das Geld hinfliesst.

Ist Private Equity intransparent?
Raschle: Nein, im Gegenteil: Man kann die Daten gar nicht alle verdauen. Aber jetzt schaut man genauer hin. Dadurch braucht alles mehr Zeit.

Die Banken bleiben auf den Krediten für die milliardenschweren Übernahmen der Private-Equity-Firmen sitzen. Mit welchen Einbussen muss man rechnen?
Raschle: Einige dieser LBO-Kredite haben 20 Prozent an Wert verloren. Es gibt auch solche, die bis zu 40 Prozent verloren haben. Es hat Exzesse gegeben. Seit 2002 hat sich der Anteil der LBO-Kredite mit schlechter Qualität von 7,5 auf rund 30 Prozent erhöht. Gleichzeitig ist der Markt von 800 auf über 1 200 Milliarden Dollar gestiegen. Es ist aber keine Krise, denn die Ausfallraten bei den LBO-Krediten sind mit 1 Prozent  in den USA immer noch sehr gering. 2001/02 betrugen sie 10 Prozent. Damals gab es eine Krise.

Immer mehr Banken kaufen sich von Finanzierungszusagen los. Welche Folgen hat das?
Raschle: Die betroffene Firma braucht vielleicht jemanden, der diese Kreditzusicherung übernimmt, sonst steigt ihr Liquiditätsrisiko. Das wiederum kann Auswirkungen auf strukturierte Anleihen wie CDO haben, wenn Kredite solcher Firmen dort drin sind. Die OECD schätzt, dass Ende 2007 weltweit CDO von 3000 Milliarden Dollar ausstehend waren, davon lagen 1400 Milliarden bei Hedge Funds, 746 Milliarden bei Banken, 295  Milliarden bei Versicherungen und 564 Milliarden bei Asset Managern, darunter einzelnen Pensionskassen. Einige Hedge Funds sind exterm exponiert, da sie bedeutende Eigenkapital-Tranchen übernommen haben, die von allen CDO-Tranchen die riskantesten sind. Es hat schon einige Liquidationen an Hedge Funds gegeben und ich erwarte mehr schlechte Neuigkeiten aus dieser Ecke gegen Ende 2008.

Wie geht es weiter?
Raschle: Ich weiss nicht, wie sich die Wirtschaft entwickelt. Aber wir haben aus 2001 gelernt. Bei den Subprime-Hypotheken liegen die Ausfallraten bereits bei 18 bis 20 Prozent. Das könnte einen langsamen Schneeballeffekt auslösen, der die Konsum- und später auch riskanteren Firmenkredite erfasst. Es wird holprig werden.

Bruno Raschle ist Verwaltungsrat und Managing Director von Adveq, einem Investment Manager von Private-Equity-Anlagen.


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