Published: June 23, 2007, Finanz und Wirtschaft
Private Equity ist einfach Equity – eine Anlage in Aktien
Bruno Raschle, Geschäftsführer der Private-Equity-Gesellschaft Adveq, beschreibt die Auswirkungen der Institutionalisierung der Branche
Von Thomas Hengartner
Nach dem Anstieg der Marktzinsen macht die Sorge die Runde, dass sich für die Private-Equity-Branche die Beste aller Welten dem Ende nähert. «Die Traumrenditen der vergangenen Jahrewerden voraussichtlich nicht länger anhalten», sagt Bruno Raschle, «doch die Chancen bleiben gut.» Private Equity gewinne gerade in den grossen Transaktionen am Markt für Mergers & Acquisitions an Gewicht – und dieser Trend werde anhalten, meint der geschäftsführende Teilhaber von Adveq. Die 1997 gegründete Private-Equity-Gesellschaft führt für in- und ausländische institutionelle Anleger Dachfonds für Engagements in nicht kotierte Unternehmen.
Bruno Raschle nimmt den Börsengang des US-Giganten Blackstone als Zeichen für die Reife der Private-Equity-Branche: «Weitere werden folgen.» BILD: MARKUS FORTE
In den zurückliegenden Jahren kulminierten die Effekte tiefer Zinsen, grosszügig vorhandener Finanzierungen und steigender Unternehmensbewertungen in einer ausserordentlich hohen Wertschöpfung der Privatkapitalbranche. Besonders der Bereich Buyout-Kapital – Übernahme und Neuausrichtung von Unternehmen aus Konzernbereinigungen oder zurNachfolgelösung – beglückte die Anleger mit einem im Vergleich zur Aktienbörse deutlich höheren Ertrag (vgl. Grafik).
«Kotierte bleiben unter Druck»
Raschle, der früher für die IndustrieholdingMotor-Columbus das Private-Equity-Geschäft aufgebaut hatte, erkennt für das traditionelle Buyout-Geschäft weiterhin beste Erfolgsaussichten. Aus Sicht professionell agierender Institutioneller begännen die Segmente Public Equity, also kotierteUnternehmen, und Private Equity jedoch zu verschmelzen – und der Wettbewerb zwischen den beiden Segmenten werde intensiver. «Private Equity ist heute in über 20% aller M&A-Transaktionen involviert, und die Hälfte der Buyouts betreffen kotierte Unternehmen», fasst Raschle zusammen. «Das zeigt doch, dass sich die Führungsequipen der börsennotiertenUnternehmen etwas einfallen lassen müssen.» Den kotierten Gesellschaften will er keinen Pauschalvorwurf machen, jedoch genügten die Führungsrezepte und Finanzierungsmodelle kotierter Unternehmen in nicht wenigen Fällen nicht mehr den heutigen Anforderungen der schnell voranschreitenden Globalisierung.
Veränderungen stehen jedoch auch im Bereich des Private Equity an. «Auf Druck grosser institutioneller Investoren nähert sich die Bewertung und das Reporting für nicht kotierte Unternehmen den Standards der Aktienmärkte an.» Private-Equity-Funds wendeten zunehmend marktnahe Bewertungen an, etwa durch Bestimmung von Fair Values oder Public Market Equivalents. Als Folge korrelieren die Anlagen in Buyout-Kapital stärker mit den Bewertungszyklen an den Aktienmärkten. Das einstige Argument für Private Equity, als wenig korrelierende Anlageklasse die Wertschwankung eines Portfolios glätten zu können, muss deshalb zunehmend infrage gestellt werden. Dennoch gingen Studien davon aus, dass die institutionellen Anlegerweltweit den Anlagen in Private Equity und in Hedge Funds einen massgeblich grösseren Stellenwert einräumen werden – zulasten der Quote für Anlagen in kotierten Aktien.
Doch wird der Leistungsausweis der Privatkapitalbranche trotz des Zuflusses riesiger Anlagegelder so vorteilhaft bleiben? Wird es nicht schwieriger, zusätzliche Rendite zu erzielen? «Ja, doch dasselbe gilt auch für die Unternehmen, die an der Börse kotiert sind. An die Aktienmärkte fliesst ja auch viel Geld», sagt Raschle. Die Renditepotenziale für nicht kotierte Aktien werden sich wohl etwas stärker denen der kotierten Papiere angleichen. An den Investoren sei es deshalb, in beiden Segmenten des Aktienmarktes bewusst und informiert die Auswahl zu treffen.
Wenn von Private Equity die Rede ist, wird zumeist das schlagzeilenträchtige Buyout-Geschäft gemeint. Woran liegt es, dass Start- und Wachstumsfinanzierungen – zumeist unter Venture Capital zuammengefasst – nicht aus ihrem Schattendasein heraustreten können? «Das Angebot von Venture-Managern mit einem hervorragenden Leistungsausweis ist sehr klein», gibt Raschle zu bedenken. Um die Gelder von Grossanlegern anzulocken, müsste sich dieser Teil des Private-Equity-Segments ähnlich dem Buyout-Markt institutionalisieren: das heisse, grössere Einheiten bilden, Analyseansatz und Investitionsvorgehen strukturierter und damit verständlicher machen sowie die Distribution professionalisieren. «Die Venture-Branche muss sich besser formieren und sie muss sich wohl eine neue, offensivere Bezeichnung für Wachstumsfinanzierungen einfallen lassen», fordert Raschle, und hat auch gleich einen Vorschlag: Private Micro Capital.
Die gesamte Privatkapitalbranche tut gut daran, durch eine geschicktere Öffentlichkeitsarbeit die Aufsichtsgremien sowie die Meinungsmacher aus Politik und Gesellschaft besser für ihr Tun zu begeistern. In Grossbritannien, wo die Branche derzeit wegen der begünstigten Besteuerung besonders am Pranger steht, argumentierte sie mit dem Effekt auf WirtschaftsundWachstumsförderung sowie der Schaffung von Arbeitsplätzen durch die finanzierten Unternehmen. «Die Argumentation stimmt, und es ist wohl auch eine gute Verteidigungslinie», schätzt Raschle. Über die steuerlichen Aspekte müsse indes die Politik entscheiden.
«Blackstone ist Investmentbank»
Mit der Börsenöffnung des Private-Equity-Giganten Blackstone in den USA vollziehe sich nun der natürliche nächste Schritt der Entwicklung der Branche, meint der erfahrene Financier, weshalb wohl bald weitere Akteure dem Beispiel folgen würden. «Die grossen Häuser sind – so wie einst Morgan Stanley und Goldman Sachs – zu modernen Investmentbanken geworden und sind reif für eine Börsennotierung». Die Vorteile der Publikumsöffnung lägen in der Etablierung einer Struktur, die Kontinuität durch den Generationenwechsel gewähre wie auch die Suche und das Binden von leitenden Angestellten unterstütze. «Zudem werden strategische Optionen wie Übernahmen und Zusammenschlüsse leichter möglich». Motive dazu gäbe es genügend, denn «keines der grossen Häuser ist weltumspannend in allen Industriesegmenten stark aufgestellt».
Fünf Erkenntnisse
Die Traumrenditen von Buyout-Anlagen der vergangenen Jahre werden voraussichtlich nicht länger anhalten.
Die Bewertung und das Reporting für nicht kotierte Unternehmen nähern sich den Standards am Aktienmarkt an, weshalb die Wertentwicklung volatiler ausfallen wird.
Das einstige Argument, Private Equity korreliere wenig mit dem Aktienmarkt, muss zunehmend in Frage gestellt werden.
Aus Sicht des Investors beginnen die Segmente Private Equity und Public Equity (kotierte Aktien) deshalb zu verschmelzen.
Studien gehen davon aus, dass institutionelle Anleger vermehrt in Private Equity und Hedge Funds umschichten, zulasten kotierter Aktien.