Published: January 21, 2006, Finanz und Wirtschaft
Private-equity-Anleger haben allen Grund zum Feiern
Traumrenditen im vergangenen Jahr – Auch 2006 verspricht hohe Erträge – Banken vergeben grosszügig Kredite
von Dominik Feldges
Investoren, die ihr Geld in Private equity angelegt haben, können sich die Hände reiben. 2005 war ein absolutes Rekordjahr, und auch 2006 dürfte sehr gut werden.Wie am dritten Private-equity-Forum des USVeranstalters Strategic Research Institute in Zürich zu erfahren war, warfen Privateequity-Anlagen in den USA per 30. Juni 2005 eine durchschnittliche Nettorendite von 20% ab – in Europa waren es sogar 34%. Zahlen für das Gesamtjahr liegen noch nicht vor, doch sie dürften ähnlich eindrücklich ausfallen.
Bald ein 20-Mrd.-$-Paket?
Das vergangene Jahr setzte auch mit Blick auf die Grösse der Transaktionen neue Massstäbe. Sieben der zehn bisher grössten von Private-equity-Investoren finanzierten Übernahmen (vgl. Tabelle) gingen 2005 über die Bühne. Unerreicht blieb lediglich das 25-Mrd.-$-Buyout des USNahrungsmittel- und Tabakriesen RJR Nabisco von 1988. Für die meisten Branchenteilnehmer ist es jedoch bloss eine Frage der Zeit, bis auch diese Latte übersprungen wird. In welcher Liga die Privateequity-Gesellschaften mittlerweile spielen, veranschaulichen die zur Finanzierung eingesetzten Fremdkapitalvolumen. Für die Übernahme des US-Softwarehauses Sungard Data Systems stellten letztes Jahr verschiedene Banken Kredite von insgesamt 8 Mrd. $ zur Verfügung. In der Privateequity-Branche wird nicht ausgeschlossen, dass dereinst auch ein Paket über 20 Mrd. $ geschnürt wird. Weil Privateequity-Transaktionen typischerweise zu zwei Dritteln fremdfinanziert werden, könnten mit einem Kredit von diesem Umfang auch Unternehmen akquiriert werden, die von der Grösse der damaligen RJR Nabisco sind oder sogar noch mehr Gewicht auf die Börsenwaage bringen.
Die Buyout-Häuser profitierten im vergangenen Jahr von einem unverändert günstigen Zinsumfeld. Banken in aller Welt stehen Schlange, um die auf einer Erfolgswelle schwimmenden Beteiligungsgesellschaften mit billigem Fremdkapital zu versorgen. Als Kreditgeber betätigen sich zunehmend auch Hedge funds, womit der Private-equity-Branche ein noch grösserer Geldtopf zur Verfügung steht. Die Frage ist, was passiert, wenn die Zinsen wider Erwarten heftig steigen. Auslöser für eine solche Entwicklung könnte, wie der Teilnehmer einer zum Auftakt des Forums durchgeführten Podiumsdiskussion bemerkte, ein bioterroristischer Anschlag oder sonst ein unerwartetes Schreckensereignis sein. «Das wird zahlreiche Anbieter auf den Boden zurückholen – mit einer Beule.»
Verschiedene Redner äusserten sich auch kritisch über die Tendenz von Beteiligungsgesellschaften, sich in Konsortien zusammenzuschliessen, um so zusammen grössere Transaktionen finanzieren zu können. Die Beteiligten müssten erst noch beweisen, ob sie auch in Krisensituationen kooperieren. «Wir erwarten in nächster Zeit einige unschöne Situationen», erklärte Stephan Schaeli vom Zuger Dachfondsanbieter Partners Group, ohne jedoch konkreter zu werden.
Bewertungswirrwarr
Ein ungelöstes Problem ist die Art, wie Beteiligungsgesellschaften über ihre Investments informieren. «Es gibt so viele Bewertungsmethoden, wie man zählen kann», brachte es Jeppe Starup von Pension Danmark auf den Punkt. Der Fondsmanager muss es wissen. Er ist im 6,3 Mrd. € schweren dänischen Pensionsfonds für Private-equity-Anlagen zuständig. Ausser der Vielfalt von Bewertungsmethoden beeinträchtigen Zeitverzögerungen die Transparenz. Anleger erfahren erst im Nachhinein, wie sich ihre Private-equity-Investments entwickelt haben, weil kein täglicher Handel mit den Anteilen ihres Fonds stattfindet.
Vor allem von Dachfondsanbietern wird gerne angeführt, wie schwer es ist, Zugang zu erfolgreichen Buyout- oder Venture-Gefässen zu erhalten. Dass die Unternehmen auf diesen Punkt verweisen, ist angesichts ihres Geschäftsmodells nicht verwunderlich. Dachfonds beziehungsweise so genannte Fund of funds sind darauf spezialisiert, Vermögen zusammenzuführen. Sie versuchen auf diesem Weg, einen besseren Zugang zu den besten Private-equity-Häusern zu erwirken. Starup relativiert allerdings die gegenwärtigen Zugangsprobleme. «Das ist ein Phänomen, das kommt und geht.»
Was die künftigen Renditen betrifft, werden Traumerträge wie die 34% in Europa im ersten Halbjahr 2005 eine Ausnahme bleiben. Fonds, die etwas unter 20% abwerfen, dürfen sich eine gute Leistung attestieren. Im Durchschnitt werden Privateequity-Investments, wie Stephan Schaeli ausführte, Aktienanlagen aber kaum schlagen. Umso wichtiger sei es, an die besten Fonds heranzukommen.
Die Übernahme von RJR Nabisco für 25 Mrd. $ (im Bild Vertreter des Käufers Kohlberg Kravis Roberts) ist unvergessen. Der Buyout aus dem Jahr 1988 blieb bis heute unerreicht, doch die Anzeichen mehren sich für eine noch grössere Transaktion. BILD: KEY/AP/NYT
