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Published: Financial Times Deutschland, November 24, 2005

US-Beteiligungs-fonds erobern Europa

Einheimische Finanzinvestoren verlieren Boden gegen aggressive Eindringlinge - Asien nächster Angriffsmarkt

von Angela Maier

Die Globalisierung hat die Private-Equity-Branche voll erfasst: US-Beteiligungsfonds rollen die Märkte in Europa und Asien auf. Im vergangenen Jahr stammten bei den fünf größten Transaktionen in Europa acht der zwölf Investoren aus den USA. "Das Geschäft mit großen Unternehmensübernahmen (Buyouts) ist ein globales Geschäft", begründet Peter Laib, Partner des Schweizer Dachfondsmanagers Adveq. So werde sich der Vormarsch der Amerikaner im Rest der Welt in den nächsten Jahren noch verstärken.

Der britische Finanzinvestor Apax erwartet gar auf lange Sicht eine ähnliche Entwicklung wie bei den Investmentbanken. US-Institute wie Goldman Sachs, JP Morgan und Morgan Stanley dominieren längst den europäischen Markt für Beratung bei Fusionen und Übernahmen. Den Europäern – die vor über zehn Jahren noch vier Fünftel dieses Marktes besetzten – bleiben heute mit wenigen Ausnahmen Nischenpositionen.

"In zehn Jahren werden rein europäische Private-Equity-Häuser nur noch zehn Prozent Marktanteil in Europa haben", glaubt ein Apax-Manager.

Ähnlich wie im Investmentbanking rollt auch in der Finanzinvestorenbranche die Welle fast nur in eine Richtung. "Europäische Private-Equity-Spieler sind auf dem US-Markt nahezu nicht vorhanden", sagt Laib. Unter den großen Finanzinvestoren Europas hat nur Apax in den USA eine nennenswerte Präsenz aufgebaut. Im April 2005 fusionierte das Unternehmen seine US-Einheit mit der vor einigen Jahren erworbenen Buyout-Gesellschaft Saunders Karp & Megrue. Der gemeinsame US-Fonds ist mit 1,8 Mrd. $ noch deutlich kleiner als Apax’ Europa-Fonds von 4,3 Mrd. €. "Global tätige Private-Equity-Firmen werden in der Lage sein, neue Trends früh aufzugreifen, das Wachstum globaler Unternehmen zu unterstützen und die Aktienmärkte der Welt am effizientesten zu nutzen", schreibt Apax.

Mit Blick auf die Geschichte haben die US-Fonds in Europa und vor allem auch Deutschland überraschend schnell und stark Fuß gefasst. Noch in den 90er Jahren war eine Übernahme durch Amerikaner hier zu Lande eine Rarität. So etwas wie den Startschuss gab Kohlberg Kravis Roberts Ende 1999 mit dem Erwerb von Wincor Nixdorf, der damaligen Bankautomatensparte von Siemens. Auch Carlyle gehörte mit einem 1998 in München eröffneten Büro zu den Vorreitern.

Nach einer Marktflaute 2001 und 2002 hat die USKonkurrenz das Rennen wieder aufgenommen. Blackstone hat seit Ende 2003 schon vier Deals gestemmt, darunter die 3,1 Mrd. € teure Übernahme des Chemieunternehmens Celanese. Firmen wie Cerberus, Texas Pacific Group oder Ripplewood agieren erst seit 2003 oder 2004 auf dem deutschen Markt, sind aber bei immer mehr Verkäufen mit im Spiel. Warburg Pincus startete erst im Frühjahr 2005 einen zweiten Anlauf.

Noch gibt sich die europäische Konkurrenz gelassen. "Wir sehen im Moment nicht die Notwendigkeit, uns global aufzustellen", sagt Jens Reidel, Deutschlandchef von BC Partners. In Europa gebe es viele Übernahmemöglichkeiten, und für die ganz großen Transaktionen täten sich auch die US-Fonds mit lokalen Partnern leichter.

Derweil könnte Asien nach Ansicht von Adveq das nächste Versäumnis der Europäer werden. Während US-Fonds wie Carlyle ihr Engagement dort verstärken, ist aus Europa dort nur die britische CVC Capital Partners breiter präsent.

 


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