Published: Finanz und Wirtschaft, July 20, 2005
Spaltet sich das Private-equity-Geschäft?
Hier erfolgreiche Weiterveräusserungen, dort schwer verkäufliche Restportfolios
von Thomas Hengartner
In Europa finden derzeit jährlich rund 500 etablierte mittelgrosse Unternehmen und Konzernsparten in die Portfolios von Private-equity-Funds. Die Anlagegefässe setzen jedes Jahr rund 60 Mrd. € für Buyouts ein. Die Zahl und das Volumen der Weiterverkäufe vergrösserter oder weiter entwickelter Unternehmen sind jedoch wesentlich geringer, wie die unten stehende Darstellung zeigt. Das Inventar von Unternehmen im Schosse der Private-equity-Branche nimmt somit an Gewicht und Bedeutung zu.
Der hohe Zufluss von zumeist institutionellen Geldern erlaubt diese Expansion. Dennoch gilt es, die Private-equity-Häuser kritisch auf ihre Fähigkeit zu Weiterverkäufen zu prüfen. Gelingen der Branche zu wenig Exits, könnte das Private-equity-Geschäft in zwei Teile gespalten werden. Zusätzlich zur exitorientierten Strategie würde ein zweites, auf das langfristige Halten von Beteiligungen ausgerichtetes Segment entstehen, heisst es in einem Analysepapier der Zürcher Gesellschaft Adveq. Sie ist für die Plazierung von mehr als 1,5 Mrd. $ Kundengelder in Fonds für nicht kotierte Unternehmen verantwortlich und selektioniert die Fund manager für sieben eigene Private-equity-Dachfonds.
Besonders auffallend sei der Bestandesaufbau in europäischen Funds. Im vergangenen Jahr wurden insgesamt 145 Verkaufstransaktionen mit 35 Mrd. € Volumen verzeichnet. Verkäufe über einen Börsengang oder eine Vermittlung an einen industriellen Investor (Trade sale) machten aber nur 16 respektive 49% der Gesamtzahl aus. Die restlichen Transaktionen erlaubten der Private-equity-Branche keine definitive Loslösung. Die betroffenen Unternehmen gelangten mittels Secondarytransactions lediglich in die Portfolios anderer Finanzinvestoren.
Gemäss Adveq-Direktor Rainer Ender ist die Zahl der Abnehmer für echte Exits beschränkt: «Die Menge solcher Transaktionen ist über mehrere Jahre stabil gebliebenen. » In vielen Buyout funds würden sich profitable Unternehmen mit soliden Ertragsperspektiven finden, die jedoch für einen Börsengang zu klein und für einen industriellen Käufer nicht interessant genug seien. Fund manager, die nicht von Beginn weg konsequent an der Vermarktbarkeit ihrer Engagements arbeiteten, blieben leicht auf Teilen des Portefeuilles sitzen, beschreibt Ender.
Damit Private-equity-Funds am Ende der vertraglich oft auf zehn bis zwölf Jahre beschränkten Laufzeit geschlossen werden können, müssen die Restportfolios umplaziert werden. Adveq erwartet, dass sich über die kommenden fünf Jahre dafür ein eigenständiges Segment entwickeln wird.Womöglich entstehen auf unbestimmte Zeit ausgelegte Beteiligungsgesellschaften, die diversifizierte oder auch branchenbezogene Portfolios rentabler, nicht kotierter Unternehmen führen und den Investoren eine Dividende in Aussicht stellen, die der Ausschüttung kotierter Gesellschaften entspricht. «Mit dieser Halten-Strategie lassen sich jedoch nicht die Renditen erzielen, die das auf Förderung und Weiterentwicklung von Unternehmen basierende Privateequity-Geschäft zumindest im Mehrjahreszeitraum erbringen kann», schliesst Ender.
